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Das Hotel Central in Ettelbrück

MÉMOIRE D'ÉTABLISSEMENTS HORECA

Das Hôtel Central in Ettelbrück

Romain Heckemanns

Schon um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es in der Bastnacherstrasse1 in Ettelbrück einen Gastronomiebetrieb, den die Eheleute Jean-Pierre Lieffrig - Anna Muller 1936 kauften, um ihn dann ihrem Sohn Emile zu übertragen. In der weiteren Entwicklung haben dann Emile Lieffrig - Catherine Koob 1937 das Eckhaus zum Viehmarkt, das ehemalige Café Schaus, erworben, um es ihrem Gastronomiegewerbe hinzuzufügen.

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Das Café Goedert-Delleré um 1900

In der Folge führte das Ehepaar LieffrigKoob dann mit geschäftlichem Spürsinn das “Hôtel Central Lieffrig - Koob Café Restaurant“. Sie boten schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ihren Gästen Garagen für ihre Autos auf dem Viehmarkt (heute place Marie-Adelaïde) an und warben mit einer Privatfischerei in der Alzette. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Catherine Koob im Jahr 1949 ehelichte Emile Lieffrig in zweiter Ehe Marie Atten. Schon wenige Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs setzte eine rasante Entwicklung im Tourismus ein; nach Jahren der Entbehrungen, der Zerstörungen und des Leids wollten die Menschen wieder verreisen. Das Hotel mit angeschlossener Gaststube und Restaurant platzte schnell aus allen Nähten und die Hoteliers-Familie sah sich gezwungen ihre Gäste privat für die Übernachtungen in Ettelbrück unterzubringen. Auf Dauer war dies keine Lösung und eine Vergrößerung des Betriebs wurde ins Auge gefasst. Ein Kuriosum am Rande dieser Hotelgeschichte ist, dass durch familiäre Bande der Autobusunternehmer und Bestatter Jean Koob aus Bettborn in den 1950erJahren eine Kontaktadresse im „Hôtel Central Lieffrig - Koob Café Restaurant“ eingerichtet hatte; das Hotel und der Bestatter waren unter der gleichen Telefonnummer (damals 21-16) zu erreichen. Zudem befand sich vor dem Haus eine Bushaltestelle für die Linie EttelbrückFeulen-Mertzig-Grosbous. In den 1950er Jahren gab es acht Hotels und fünfzehn Gaststätten in Ettelbrück. Einen Gastronomiebetrieb („Café Goedert - Delleré“, dann „Nothar - Koos Café Restaurant Epicerie Mercerie“) hatte es auch schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts auf der gegenüberliegenden Strassenseite, der Kreuzung Bastnacherstrasse - Eingang zum Viehmarkt (heute Ecke rue de Bastogne - rue Michel Weber gegeben). Dieses Gebäude war durch den Beschuss der US-Truppen während der Ardennenschlacht im Dezember 1944 so schwer beschädigt worden, dass am Ende nur mehr ein Abriss übrigblieb. Zurück blieb ein leeres Grundstück, das von den Eheleuten Emile Lieffrig - Marie Atten am 5. August 1953 gekauft wurde.

1 Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es nur Hausbezeichnungen in Luxemburg, durch das Reichsluftschutzgesetz während der deutschen Besatzung 1940-1944 wurden dann die Hausnummern eingeführt. Gemäss dem damaligen Beschluss hatte der 1936 gekaufte Gastronomiebetrieb die Hausnummer 27 und das 1937 gekaufte „Café Schaus“ die Nummer 29. Es war dies auch der Wohnsitz der Familie Lieffrig - Koob. Durch Neuordnung der Hausnummern in den 1960er-Jahren ist heute 23, rue de Bastogne die Postanschrift dieser Doppelimmobilie. Möglicherweise hatte in der ersten Hälfte der 1940er-Jahre das Haus auf der gegenüberliegenden Straßenseite, das „Café Nothar-Koos“, die Hausnummer 33; doch Genaues ist heute nicht mehr in Erfahrung zu bringen. Die Immobilie „Hôtel Central“, heute „Le Central“ hat die Hausnummer 25.

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Die Gebäude Lieffrig-Atten in den 1960ger Jahren

Erweiterung der Zimmerkapazitäten Mit dem Bau eines neuen Gebäudes auf dem 1953 erworbenen Grundstück, welches innerhalb kurzer Zeit hochgezogen wurde, konnte die Hoteliers-Familie auf einen Schlag ihr Zimmerkontingent um 22 Einheiten (jede mit eigener Dusche auf dem Zimmer) erweitern. Insgesamt hatte die Familie Lieffrig nun vierzig Zimmer im Angebot. Der Bau eines so imposanten Gebäudes in einer Zeit, in der Luxemburg sich noch nicht von den Folgen des Zweiten Weltkriegs erholt hatte und in der die Rekonstruktion des Landes, insbesondere des Nordens, noch nicht abgeschlossen war, war eine unternehmerische Glanzleistung. Im neuen Gebäude wurden anfangs nur Hotelgäste untergebracht, eine Gastronomie gab es dort noch nicht, das Erdgeschoss und das erste Stockwerk waren an einen Möbelhändler, „Ameublement Nicolas Kirtz“ (Kirtzen Néckel), vermietet, der dort seine Ausstellungsräume eingerichtet hatte. Im Keller des Gebäudes hatte Emile Lieffrig auf eigene Kosten Umkleideräume, Duschen und Toiletten für den FC Etzella eingerichtet. Der Stammsitz des Ettelbrücker Fussballvereins befand sich über Jahre in dem gegenüberliegenden Gasthaus. Anfangs gab es an dem neuen Gebäude noch keinen Hinweis auf einen Hotelbetrieb, allerdings existieren Fotos mit der Aufschrift „HOTEL-CENTRAL“ an der Fassade zwischen dem zweiten und dritten Stockwerk und „HOTEL LIEFFRIG“ an der Fassade zwischen dem Erdgeschoss und dem ersten Stock. Es sind Fotomontagen, wobei immer das gleiche Grundfoto benutzt wurde.

1970 hätten Emile Lieffrig2 und Marie Atten sich ins Privatleben zurückziehen können, doch sie entschieden sich nun ihr Augenmerk voll auf das dreistöckige Gebäude an der Ecke rue de Bastogne - rue Michel Weber (Adresse: 25, rue de Bastogne) zu richten und dort groß zu investieren. Das Haus wurde von Grund auf saniert, im Erdgeschoss wurde eine Bar „mit schöner Kassettendecke, vornehmer Holztäfelung, hübschen Tischen mit Keramikauflage, bequemen Sesseln und origineller indirekter Beleuchtung3“ eingerichtet. Im ersten Stockwerk wurde das Restaurant etabliert. Die Zimmer, das Restaurant und die Bar wussten mit einem hohen Standard aufzuwarten. Der Gastronomiebetrieb hieß nun offiziell „Hôtel Central“, in Ettelbrück wurde allerdings nur „den Central“ oder „am Central“ gesagt.

2 Emile Lieffrig verstarb im Jahr 1988, Marie Atten 2012.
3 Luxemburger Wort 1970, nähere Daten unbekannt.

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In den 1970er Jahren wurde das „Hôtel Central“ zur ersten Adresse in Ettelbrück, insbesondere für die internationalen Hotelgäste 1 . Hohe Militäroffiziere, darunter viele von den US-Streitkräften, belegten hier während der Remembrance-Day Feiern2 die Zimmer, ebenso wie Gäste und Vertreter der im Umkreis von Ettelbrück liegenden Industrien. Das Hotelgebäude in Nr. 23, rue de Bastogne, das in „Café Auberge des Ardennes“ umgetauft wurde, wurde vermietet, und der erste Pächter richtete dort für einige Jahre eine Bar im englischen Club-Stil ein. In dem damals noch eher ländlich geprägten Ettelbrück sorgte diese jedenfalls für viel Aufsehen. Im Volksmund wird dieses Gebäude „am aalen Lieffrech“ genannt, heute befindet sich dort eine Gastwirtschaft mit einer Pizzeria. Diese Immobilie ist immer noch im Besitz der Nachkommen Lieffrig.

Ein Stern im Guide Michelin

Als 1977 das Ehepaar Lieffrig - Atten beschloss sich in den wohlverdienten Ruhestand zu verabschieden, war für kurze Zeit der Sohn von Emile Lieffrig und Catherine Koob, ebenfalls Emile3 genannt, mit von der Partie, entschied sich jedoch dann gegen sein Vorhaben das Geschäft zu übernehmen. Er hatte vorher in Unterschlatt im Kanton Thurgau in der Schweiz ein Restaurant geführt und beschloss nach einer kurzen Probezeit in Ettelbrück zu seiner Frau und den Kindern in die Schweiz zurückzukehren, wo er in Villars-sur-Ollon erfolgreich ein eigenes Restaurant eröffnete. In der Folge wurde das „Hôtel Central“ an das Ehepaar Philippe Waltzer - Riny Geraets verpachtet.

Das Ehepaar Lieffrig - Atten stieg offiziell am 1. April 1977 aus dem Geschäftsleben aus, begleitete noch für einen Monat die neuen Betreiber ihres Hauses und verabschiedete sich dann endgültig ins Privatleben. Der Elsässer Waltzer4 wusste das Hotel mit seinem Restaurant in Angebot und Qualität weiter auszubauen und wurde mit seinen Köchen, dem Franzosen Daniel Dijou5 und dem Ettelbrücker Aloyse Mossong6, sowie dem Auszubildenden, dem Niederländer Hans Poppelaars7 im Jahr 1983 mit einem Stern im Guide Michelin belohnt, den er bis 1992 innehatte. Zudem war das Restaurant von 1982 (13/20 Punkte) bis 1988 mit einer „Toque“, und 1989 sowie 1990 (15/20) mit deren zwei im französischen Gastronomieführer Gault Millau bedacht worden. Das hoteleigene Restaurant „Taste-vin“ mit angeschlossener Vinothek, das auch durch seine exklusive Weinkarte8 bestach - es war dies immer ein besonderes Anliegen von Philippe Waltzer9 - ist das einzige in Ettelbrück, das je mit so hohen gastronomischen Auszeichnungen bedacht wurde.

Auf Waltzer10 folgte von Oktober 1993 bis 2011 der aus dem Elsass stammende Gastronom Norbert Lebon, das Restaurant hieß nun „Le Chateaubriand“, dann schloss das „Hôtel Central“ für immer seine Pforten. Fünf Jahre später wurde das Gebäude an die Gemeinde Ettelbrück verkauft, die es nach einem Um- und Ausbau und der Unterstützung des Ministère du Logement in ein Wohnhaus mit elf Einheiten für sozial Benachteiligte umwandelte. (Adresse: 2, rue Michel Weber). Im Erdgeschoss ist auch wieder ein Restaurant angesiedelt.

1 In lebhafter Erinnerung bei älteren Ettelbrücker Einwohnern ist der Aufenthalt Marlène Charells (geb. Angela Miebs) in den 1970er-Jahren im „Hôtel Central“ geblieben. Diese hatte für mehrere Wochen gleich mehrere Zimmer angemietet und nahm bei dem ehemaligen international bekannten Zirkusstar Alma Piaia-Vizla, die in Ettelbrück lebte, Unterrichtsstunden im Tanz. Charell war in den 1960er- und 1970er-Jahren weltweit als vielseitige Entertainerin erfolgreich.

2 Zwischen 1954 und 2004 wurden in Ettelbrück Gedenkfeiern mit Militärparaden zu Ehren der während der Ardennenoffensive 1944-1945 gefallenen US-Soldaten abgehalten.

3 Emile Lieffrig jr. verstarb 2010.

4 Nach erfolgreichem Abschluss der „Ecole Hôtelière Alexis Heck“ in Diekirch führte Philippe Waltzer mit seiner aus den Niederlanden stammenden Ehefrau Riny Geraets während drei Jahren das „Café-Hotel de la Place“ (sieben Zimmer) in Diekirch, dann machte ihm Marie Lieffrig - Atten das Angebot das „Hôtel Central“ zu übernehmen.

5 In den 1960er-Jahren war Daniel Dijou in Paris Koch im „Restaurant Philippes“ des französischen Jockey Yves Saint-Martin, dann fand er eine Anstellung im „Restaurant L’Orangerie“ des Schauspielers Jean-Claude Brialy auf der Île Saint-Louis. Es war dies ein Nachtrestaurant, in dem zu später Stunde die vornehme Gesellschaft, unter anderem viele französische sowie internationale Filmschauspieler einkehrten. Danach fand Daniel Dijou eine Anstellung im „Restaurant Studio de Cinéma“ in BoulogneBillancourt, ehe er im „Journal de l‘Hôtelier“ eine Anzeige las, dass im „Hôtel-Restaurant Central“ in Luxemburg ein Koch gesucht werde. So kam es, dass er von 1972 bis 1993 dort Chefkoch war, zuerst unter Lieffrig - Atten, dann unter Waltzer - Geraets, ehe er für wenige Monate nach Diekirch ins „HôtelRestaurant Hélène Hiertz“ wechselte. Von 1994 bis 2004 betrieb er mit seiner Ehefrau Gilberte Zune das Restaurant „Le Navarin“ in der rue Prince Henri in Ettelbrück, dann verabschiedeten beide sich in den Ruhestand.

6 Nach dem „Hôtel Central“ setzte Aloyse Mossong (+1996) seinen weiteren Berufsweg im Drei-Sterne-Restaurant „Le Gavroche“ von Albert und Michel Roux in London fort, ehe er mit seiner aus Schottland stammenden Lebensgefährtin in einer Mannschaft vorgesehen war, die für die beiden französischen Brüder im Rahmen der Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles ein Restaurant in Santa Barbara, Kalifornien führen sollte. Für dieses Projekt war eine Dauer von drei Monaten vorgesehen, doch wegen fehlender Papiere für die USA platzte dieser Traum für die beiden. Für einige Zeit arbeitete er dann im „Restaurant l’Agath“ in Hesperange. Vom 3. bis 6. November 1985 war Aloyse Mossong Teil der vierköpfigen Mannschaft des „Vatel-Club de Luxembourg“ bei der Internationalen gastronomischen Ausstellung in Osaka, Japan. Sie wurden Fünfte bei 13 teilnehmenden Nationen und holten vier Goldmedaillen und drei Ehrenpreise. In der Folge nahm Aloyse Mossong mit Erfolg an weiteren grossen internationalen Kochwettbewerben teil. Mit dem „Restaurant Mont SaintNicolas“ in Vianden machte Mossong sich selbständig, danach übernahm er noch ein Café-Restaurant in Brandenburg.

7 Nach dem „Hôtel Central“ setzte Hans Poppelaars seinen Weg in der „Gäichel“ fort, ehe er in das „Restaurant Patin d’Or“ in Kockelscheuer wechselte. Danach war er während zwei Jahren Maître d’hôtel im Hotel „Le Royal“ in der Stadt Luxemburg, ab dem 1. Mai 1989 führte er während zehn Jahren ein Restaurant in Winseler. Seit 2000 betreiben Hans Poppelaars und seine Ehefrau Maryse Hacart das „Manoir Kasselslay“ (Hotel und Restaurant) in Roder bei Clervaux. Zwischen 2006 und 2012 war das Restaurant mit einem Stern im Guide Michelin aufgelistet.

8 In der Weinkarte des Restaurants wurden über 5.000 Weine, darunter auch alle Lagen der Luxemburger Mosel, geführt. Im weltweiten Ranking der Weinkarten der Restaurants war das „Taste-vin“ unter den ersten zehn aufgelistet. Im „Concours de la Meilleure Carte de Vins 1979“ des „Ordre Mondial des Gourmets Dégustateurs“ war das Restaurant des „Hôtel Central“ eine der fünf Einrichtungen, die mit den höchsten Ehren (hors concours) bedacht wurde. „Comment juger la carte des vins d’un restaurant? …. Deux cartes semblent exemplaires selon ces critères, celles du „Comme Chez Soi“ (Bruxelles) et de „l’Hôtel Central“ (Ettelbruck) qui totalisent le maximum de points.“ (Gault Millau, Les grandes cartes des vins, septembre 1982) 1983 wurde das „Taste-vin“ im Gault Millau auf dem fünften Platz der besten Weinkarten der Benelux geführt.

9 …. „Mais la joie, le „pied“ au „Central“, c’est la carte des vins idéalement présentée, toutes régions et sous-régions bien séparées, cette carte est une véritable bible qui détaille les vignobles par caractéristiques géographiques et géologiques.“ (R.G., Revue luxembourgeoise de gastronomie, juin 1982), …. „Pour Ettelbruck, je suggère: „plongez le nez dans la carte des vins époustouflante de M. Waltzer et … commandez les crus les plus exceptionnels“, vous ne les trouverez nulle part ailleurs à ces prix d’avant le phylloxera et, chose presque aussi rare, la carte des mets n’est pas négligée au profit de celle du vin.“ (Roland Gohy, Guide des connaisseurs (Belgique), 1982)

10 Ab 1992 wurde das „Hôtel Central“ von einem Beauftragten Waltzers geführt, dieser war zu dem Zeitpunkt dabei sein eigenes Restaurant („L’Etiquette“) mit angeschlossener Vinothek in Walferdingen aufzubauen. Dieses Restaurant führte er bis November 2008, dann schloss er das Restaurant und eröffnete im Dezember 2008 eine gleichnamige Vinothek in Bereldingen. Zusammen mit einem Partner betrieb er diese bis Dezember 2014 dann trat er seinen Ruhestand an.

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Historique